II. Die Kaiserzeit (1887 - 1918)
Aus der Schulchronik:
1887:
Der schon länger geplante Neubau eines Schulhauses ist in diesem Jahr zur Ausführung
gelangt. Nachdem Kirchen- und Schulgemeinde sich geeinigt hatten, das bisherige
II.Schulhaus durch die Kirche für den I.Lehrer, Kantor und Küster ankaufen zu lassen,
kam dieser Kauf nach mehrmaligen Verhandlungen unter den beteiligten Vertretern endlich
zum Abschluß, u. zwar für die Summe von M 6.000.
Der 1.Lehrer mußte zum 1.März sein altes Heim räumen und erhielt das benachbarte
Wuthsche Landhaus für den Frühling, Sommer und einen Teil des Herbstes zur Wohnung. Nach
Abbruch des alten Küsterhauses wurde Mitte März mit dem Neubau des Schulhauses, das für
3 Lehrer Wohnung und Schulraum gewähren sollte, begonnen. Die Ausführung des Baus war
dem Maurermeister Heinr. Gaycken in Bargteheide für die Summe von ca. M 28.000
übertragen, u. hat er denselben unter Aufsicht des Architekten Ph. Schmidt aus Oldesloe
bis zum vorgeschriebenen Termin (Octob. 1.) zur Zufriedenheit der Gemeinde vollendet.
Mitten im Frühling war unter entsprechender Feierlichkeit, wobei sich die Schule mit
Gesang und der Schulinspector durch Weihrede beteiligten, der Grund gelegt. Bei durchweg
sehr günstiger Witterung war der Bau rüstig gefördert, so daß Schulhaus wie
Nebengebäude zu der bereits erwähnten Frist fertig abgeliefert werden konnten. Die
Elementar- und Mittelklasse hatten während des Baus ihren Unterricht in dem bisherigen
II.Schulhaus empfangen.
Zum 1. Octob. übersiedelten diese Klassen nach dem neuen Schulhaus, nachdem eine Teilung
ihrer Schüler in 3 Klassen geschehen war. ... Im Laufe des Sommers war auch die Scheune
für den landwirtschaftlichen Betrieb des 1.Lehrers fertiggestellt, und bis zum Anfang
November dessen jetzige Wohnung nebst Schulstube, soweit thunlich und nötig,
ausgebessert. In den ersten Novembertagen bezog dann auch der I.Lehrer mit Familie und mit
seinen Schülern das neue Heim.
Die Schule in Bargteheide besteht jetzt aus vier aufsteigenden Klassen, wobei die
Geschlechter ungetrennt bleiben. Klasse 1 behält der bisherige I.Lehrer Teege, II Herr
Siebke, III L. Bielenberg, IV Frl. Catelieri. Die Schülerzahl der Klassen beträgt 60 -
70.
Von den 3 Lehrern ist unter Beihilfe des Schulinspectors ein neuer Lehrplan ausgearbeitet,
der ohne Anstand genehmigt wurde. Die Schultische für die 4 Klassen sind teils die alten
geblieben, welche die nötige Verkürzung erhielten, teils sind sie neu beschafft. Die
übrigen Einrichtungen, wie Lehrertische, Wandtafeln etc., sind, soweit nötig, neu
angeschafft.
1898:
Am 10.Januar wurde zwischen Schulcollegium und Lehrern über
die Besoldungsverhältnisse nach dem neuen Gesetz von 1897 verhandelt und folgendes
vereinbart:
1. Lehrerstelle
a) Grundgehalt
M 1.520
b) Wohnung und Garten M 180
c) Alterszulage
M 1.350
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Ganzes Gehalt
M 3.050
Dazu für das Kirchenamt M 429,50
und die 3 übrigen Lehrerstellen:
a) Grundgehalt
M 1.320
b) Alterszulage
M 1.350
c) Wohnung und Garten M 180
-------
M 2.850
1901:
Am 18.Januar feierten wir in den Schulen, vielerorts auch in
den Gotteshäusern, das 200-jährige Bestehen des preußischen Königshauses und den
30-jährigen Geburtstag des Deutschen Reiches.
Die Schülerzahl betrug am 1.Mai 313.
1904:
Mit dem 1.Mai wurde die 5.Klasse als Halbtagsschule
eingerichtet. Den Unterricht teilten sich Schröder und Lührsen, die nebenher natürlich
ihre eigenen Klassen verwalteten. Für die Mehrarbeit erhielten sie pro Stunde M 1,00.
1906:
Mit dem 1.Okt. 06 schied der Hauptlehrer und Kantar Teege aus
dem Schuldienste. Zur Entlassungsfeier in Gegenwart seiner Schüler hatten sich die Lehrer
des Ortes eingefunden. In tief bewegenden Worten nahm der treue Lehrer Abschied von seinen
Schülern und von der Schule. Eine Deputation seiner früheren Schüler brachte ihm
Glückwünsche für seinen Lebensabend. Für treue Dienste wurde ihm durch den
Königlichen Kreisschulinspektor der Hohenzollernsche Hausorden übermittelt. Möge ihm
ein langer heiterer Feierabend beschieden sein.
1907:
Die Schülerzahl beträgt in allen 5 Klassen 353 Kinder.
In Klasse I = 67 Kinder
- Hauptlehrer
Schöning
In Klasse II = 73 Kinder
- Lehrer und
Organist Schröder
In Klasse III= 62 Kinder
- Lehrer Lührsen
In Klasse IV = 75 Kinder
- Lehrer Prühs
In Klasse V = 76 Kinder
- Lehrer David
1909:
Herr Lehrer Kähler ... wurde am 26.April durch
Ortsschulinspector Pastor Pallesen eingeführt. Die Einführungsrede enthielt den
Hauptgedanken: "Wer ein Amt hat, der warte des Amtes." Das Amt des Lehrers ist
ein schönes, aber auch schweres Amt! Es erfordert vor allem Gerechtigkeit und Treue gegen
die ihm anvertrauten Kinder und bedingt einen sittlichen christlichen Lebenswandel.
Erinnerungen einer ehemaligen
Schülerin:
(von Frau Magda Andresen geb. Heitmann)
Ich besuchte das heute 100-jährige Schulgebäude von 1910 an. Es hatte die drei Klassen,
die es heute noch hat, und fing mit der 7.Klasse an, man mußte sich bis zum Abgang zur
1.Klasse raufarbeiten.
Wir Mädchen hatten die Reihe an den Fenstern, die Jungens die zur Wand hin. Den
Mittelgang krönte ein schwarzer Riesenofen. In jeder Bank saßen vier Kinder. Die Ranzen
lagen in der Ablage unter dem Pult. Jede Bank hatte vier Tintenfässer. In der untersten
Klasse gab es noch keine Tinte, die "Kleckserei" begann erst später.
Schiefertafel, Griffel angespitzt in einem Holzkasten, nasser Schwamm in der Schwammdose,
ein Trockentuch an längerem Band an der Tafel befestigt, so ausgerüstet saßen wir da
auf engem Raum.
Um noch einmal auf die Ungetüme, die Öfen, zu kommen, im nachherein muß ich staunen,
daß kaum etwas passierte an Verbrennungen und Feuer, denn die Öfen standen frei an der
Wand. Der Schuldiener hatte schon seine Mühe, bis acht Uhr in allen Klassen die Öfen in
Glut zu haben. In den oberen Klassen waren stets Jungen bestimmt, die nachheizen mußten.
In den unteren Klassen machte es natürlich der Lehrer, und ich sehe noch heute Herrn
Lührzen im langen Gehrock, den er immer im Dienst trug, beim Kohlen- und
Holznachschippen.
In der Pause gab er oft Gerangel mit der Klasse, die - neben uns - unseren Vorplatz
teilte. Die große Zahl der Schüler - wir brachten es in der 7.Klasse auf 62 Schüler -,
der rauhe Holzfußboden, die ebenso beschaffene Treppe, dazu die Holzpantoffeln, in denen
doch sehr viele Kinder in die Schule kamen, das alles gab schon ein rechtes Getöse ab.
Ich erinnere mich noch gut, wie froh ich war, wenn ich endlich wieder in meiner Bank saß.
In den Herbstferien gab es dann für uns die ersten Zeugnisse, keine Beurteilungen,
sondern richtige Zensuren von 1 bis 5. Ich rückte dann auf in die oberste, die hinterste
Dank. Ich hatte drei Lehrerkinder in meiner Klasse, die immer die besten Zensuren hatten,
und da wir nach Zensuren gesetzt wurden, hatten die drei die ersten Plätze.
In die erste Klasse mit ihren vier Fenstern schien stets schön die Sonne. In der zweiten
Klasse war es dagegen dunkel, die Fenster gingen nach Norden, die hohen Linden des
Kirchhofes verdunkelten alles noch mehr. Wenn wir vorher den Schulhof im Blick gehabt
hatten, so sahen wir jetzt auf die kleinen Gärten der drei Lehrer, die ihre Wohnung im
Schulgebäude hatten. Das dritte Schuljahr brachte uns eine Treppe hoch in eine Klasse
auch ohne Sonne.
Die erste Stunde war stets Religion. Schönschreiben war ein besonderes Fach, das streng
zensiert wurde. Gesungen wurde viel, Herr Lührsen begleitete uns stets dabei auf der
Geige.
Aus dem Aufsatzheft einer Volksschülerin:
(von Frau Paula Beuge geb. Pöhlsen)
Unsere Sedanfeier
12.9.12
In diesem Jahr wurde unsere Sedanfeier ganz besonders schön gefeiert. Die Feier, die
sonst gewöhnlich in der Schule stattfindet, fiel in diesem Jahr aus. Wir hatten eine
besondere Feier am Nachmittag. Im geschlossenen Zug marschierten wir, voran unser Pfeifen-
und Trommelkorps, nach dem Turnspielplatz. Aus den umliegenden Dörfern waren die Knaben
gekommen, um an den Wettspielen teilzunehmen. Es wurden turnerische
übungen vorgeführt. Wir Mädchen mußten im Kreis spielen und einen Reigen machen. Des
Abends wurde eine Stunde getanzt. Zum Schluß sangen wir: "Deutschland, Deutschland
über alles", und so war die schöne Feier beendet. Die Schlacht bei Sedan war nicht
die gewaltigste, aber die bedeutendste Schlacht, weil Napoleon gefangen genommen wurde.
Der Sedantag ist darum der bedeutungsvollste Tag.
Aus der Schulchronik:
1914:
Mitten in unsere Sommerferien fiel die Mobilmachung des
Landheeres und der Flotte. ... Schon am 1.August wurde Herr Lehrer Otto Pfeffer als
Marine-Infanterist zu den Fahnen durch Telegramm einberufen. Am 2.Mobilmachungstage
mußten die Lehrer Prühs und David als Unteroffiziere ins Heer eintreten und am
4.Mobilmachungstage folgten dann die Lehrer Schröder und Lührsen.
Am 17.August begann der Unterricht nach den Sommerferien. Nur die Lehrerin Frl. Fust und
der Rektor Schöning waren zurückgeblieben.
1915:
Am 18.Februar 1915 wurde der Unterricht in sämtlichen Schulen
auf Befehl des Kgl. Generalkommandos in Altona wegen des großen Sieges, den General
Hindenburg über die Russen an den Masurischen Seen errungen hatte, geschlossen. Nachdem
auf dem Schulhof die Fahne gehißt, wurde in wenigen Warten auf die Bedeutung des Sieges
hingewiesen, das Hindenburg-Lied und "Deutschland über alles" gesungen und ein
Kaiserhoch ausgebracht, in welches die 400 Schüler begeistert einfielen.
1916:
Die Nagelung eines Kaiserinnenschildes wurde am 12.Februar
1916 in der hiesigen Klasse 1 vorgenommen. Mit dem Lied "Ich hab mich ergeben"
wurde die Feier eingeleitet. Darauf hielt der Rektor eine längere
Ansprache, die mit einem Hurra auf Volk und Vaterland, auf Heer und Heeresführer und auf
den obersten Kriegsherrn, unseren geliebten Kaiser und König endete.
Hierauf wurde von allen Anwesenden das Lied " O Deutschland hoch in
Ehren" gesungen, und nun begann die Nagelung. Das Lehrerkollegium
und die größeren Schulkinder schlugen die Nägel ein, wobei die
Hammerschläge von patriotischen Worten begleitet waren. Die Kinder kauften sich die
Nägel, und zwar zum Preise von 25 und 10 Pfg.
286 Nägel wurden gleich eingeschlagen und ein Reingewinn von rund 100 M erzielt. Auf dem
Bild können noch weitere 568 Nägel Platz finden und sind noch weitere Nagelungen
vorgesehen, vielleicht, wenn eine neue Siegesnachricht eintrifft.
Das Wahrzeichen wird in der I.Klasse seinen Platz finden und soll ein Erinnerungszeichen
für die kommenden Schüler an die jetzige große ernste und schwere Zeit sein.
Bei der 3.Kriegsanleihe beteiligte sich die hiesige Volksschule mit einem Betrag von 6.000 M. Für die 4.Kriegsanleihe zeichneten etwa 70 Kinder einen Betrag von 5.000 M. Die ganze Summe von 11.000 M ist größtenteils den Sparbeträgen der hiesigen Schulsparkasse entnommen.
1918:
Im Juni und Juli wurde der Unterricht oft ausgesetzt, damit die Kinder Laub pflücken konnten. Das Laub wurde getrocknet und nach Oldesloe versandt, woselbst es weiter verarbeitet wurde, um an der Heeresfront als Pferdefutter verwendet zu werden. Während des ganzen Sommers wurden 247,3 Zentner Trockenlaub von der Schule an die Sammelstelle in Bad Oldesloe abgeliefert. An Vogelbeeren sammelten die Schüler 6.650 Pfund.